Über smarte Hörgeräte

Ob smartes Haus, smartes Auto oder Smart-TV – der Begriff ‚smart‘ ist heute allgegenwärtig. Man könnte ihn mit Worten wie ‚klug‘ oder ‚intelligent‘ übersetzen. Doch ‚smart‘ steht eigentlich noch für mehr. Es bedeutet, dass sich Produkte ganz ohne Kabel verbinden. Sie tauschen sich aus.

Gerade bei Hörgeräten könnte smarte Vernetzung viele neue Vorteile bringen: Die Geräte sind nicht nur klein und komfortabel. Sie verfügen nicht nur über immer bessere Rechenleistung. Sie bieten dem Hörakustiker auch die Möglichkeit, die Technik noch besser auf ihren jeweiligen Träger abzustimmen.

Und es gibt viele Zusatzfunktionen. Man kann z. B. den TV-Ton oder Telefonate direkt in beiden Hörgeräten hören. Man kann seine Hörerlebnisse mit einer App steuern, unterwegs Musik vom Mobilgerät empfangen u. v. m.

Gegenstand der forsa Studie „smartes Hören“ sind auch Tests von grundlegend neuartigen Hör-Produkten – den smarten Hörgeräten. – Nachfolgend ein Überblick über die zusätzlichen Funktionen smarter Hörgeräte. Die forsa Studie „Smartes Hören“ erkundet, wie diese erlebt werden.



Vorteile smarter Anbindung


Ohr-zu-Ohr-Anbindung

Um gut zu hören, brauchen wir zwei Ohren. Ein intaktes Gehör nutzt den Schall von linkem und rechtem Ohr. Unser Gehirn gleicht beide Seiten fortlaufend mit einander ab. Das ermöglicht uns, Stimmen und Geräusche zu lokalisieren. Und es ist Voraussetzung dafür, dass unser Gehirn interessante Informationen von störenden Geräuschen unterscheiden kann.

Smarte Hörgeräte bilden diese natürliche Verarbeitung bestmöglich nach: Linkes und rechtes Gerät sind mit einander vernetzt. Über Funk gleichen sie ihre Informationen fortlaufend ab. So soll das räumliche Hören verbessert werden. Und es wird eine weitere Funktion der Hörverarbeitung nachgebildet: In lauten Situationen, z. B. im Restaurant, soll man sich wieder besser auf das konzentrieren können, was wirklich interessiert.

 

TV-Anbindung

Frühere Untersuchungen zeigen, dass das Verstehen beim Fernsehen oft eine besondere Herausforderung ist. Viele Menschen berichten, dass sie vor allem dann schlecht verstehen, wenn sich gesprochene Dialoge mit Filmmusik und Hintergrundgeräuschen vermischen. Selbst moderne Hörgeräte können das nicht immer ausgleichen.

Bei smarten Hörgeräten ist es jedoch möglich, den Ton des Fernsehers in Stereo-Qualität zu beiden Ohren zu übertragen – ganz ohne Kabel. Die Regelung von Lautstärke, Höhen und Tiefen kann unabhängig davon erfolgen, wie der Ton bei anderen Zuschauern ankommt. Geräusche und Gespräche der unmittelbaren Umgebung können wahlweise mitgehört oder ausgeblendet werden. Das Mischungsverhältnis von TV-Ton und Umgebungsgeräuschen kann man selbst regeln.

 

Telefon-Anbindung

Das Verstehen am Telefon bringt besondere Herausforderungen mit sich. Ganz besonders gilt dies für mobile Telefonate. Auch Menschen, die sehr gut hören, können hier an Grenzen kommen. An belebten Orten überhören sie ihr Handy ganz; oder sie halten sich ein Ohr zu, um mit dem anderen Ohr den Anrufer noch zu verstehen.

Smarte Hörgeräte könnten hier erhebliche Vorteile bringen: Das Signal eines Anrufs geht direkt in beide Geräte. Nimmt man an, wird auch die Sprache des Anrufers in beide Hörgeräte übertragen. Die Geräusche aus der Umgebung kann man immer noch wahrnehmen – oder auf Wunsch auch ganz ausblenden. Je nach Handy ist für diese Telefon-Anbindung ein kleines Zubehör erforderlich oder nicht. Auch bei Festnetz-Telefonen mit Bluetooth ist eine solche Anbindung möglich.

 

Externe Mikrofone

Ein Treffen mit Freunden in einem belebten Restaurant, eine Familienfeier, eine Diskussionsrunde, Schulungs- oder Vortragsveranstaltungen, eine Fahrrad-Tour… – es gibt viele alltägliche Situationen, die das Gehör besonders fordern. Lässt das Hörvermögen nach, können selbst moderne Hörgeräte hier nur eingeschränkt helfen.

Smarte Hörgeräte hingegen lassen sich mit kleinen, externen Mikrofonen verbinden. Der Gesprächspartner kann sich ein solches Mikro anstecken oder umhängen. Die Mikrofone können die Stimme eines Vortragenden oder die Sprecher einer Gruppendiskussion in beide Hörgeräte übertragen – und zwar über eine Distanz von bis zu 25 Metern. Selbst in sehr lauter Umgebung sowie über größere Abstände soll zuverlässiges Verstehen möglich werden.

 

App-Steuerung

Hörgeräte lassen sich steuern. Man kann z. B. die Lautstärke ändern oder je nach Situation zwischen verschiedenen Hörprogrammen wechseln. Die Steuerung lässt sich über kleine Schalter direkt an den Hörgeräten vornehmen. Mitunter werden auch Fernbedienungen angeboten.

Smarte Hörgeräte hingegen kann man auf Wunsch auch am Mobilgerät regeln. Je nach Hörgerät stehen dafür Apps zur Verfügung. Sie bieten viele zusätzliche Funktionen, um das Hörerleben passend zur Situation selbst zu verbessern. Man kann z. B. störende Geräusche abschwächen. Oder man kann die Hörgeräte ganz auf einen Gesprächspartner ausrichten, den man noch besser verstehen will. Man kann sich auch Lieblingseinstellungen für einen Ort speichern. Und wenn man sein Hörgerät verlegt haben sollte, hilft die App, es wiederzufinden. Je nach Smartphone ist für die App-Steuerung ein kleines Zubehör erforderlich oder nicht.

 

Mobiles Sound-Streaming

iPhones und iPads, Smartphones oder Tablet-Computer bieten ihren Nutzern ganz viele Funktionen. Das Internet und unzählige Apps liefern vielfältigste Inhalte in Text, Bild und Ton. Für viele von uns sind Kopfhörer daher schon heute ständige Begleiter. Und wir nutzen sie nicht allein für Musik und Telefonate.

Smarte Hörgeräte sind in der Lage, sämtlichen Sound aus dem Mobilgerät zu empfangen – ganz ohne Kabel. Ob Musik, Navigationsansagen, Nachrichten und Podcasts, Spiele, Video-Anrufe… – alles kann direkt in den Geräten empfangen werden. Man kann sich z. B. durch eine fremde Stadt navigieren lassen, ohne auf einen Stadtplan oder ein Display schauen zu müssen. Man kann sich die Worte einer fremden Sprache mit einer Übersetzungs-App in die Hörgeräte übersetzen lassen u. v. m. Umgebungsgeräusche können dabei wahlweise mitgehört oder ausgeblendet werden. Je nach Mobilgerät ist für das Sound-Streaming ein kleines Zubehör erforderlich oder nicht.

 

Hörakustiker-Online-Service

Unser Hörsinn ist höchst individuell. Wir hören nicht einfach gut oder weniger gut. Jedes Gehör hört anders. Damit smarte Hörgeräte ihr volles Potential entfalten, müssen sie – so wie jedes andere Hörgerät auch – von Hörakustikern und Hörakustikerinnen fachkundig an ihren Träger angepasst werden.

Als smarte Medizintechnik bieten die neuen Produkte sogar eine Reihe zusätzlicher Optionen für die professionelle Einstellung. Nach der Erstanpassung kann das Hören in weiteren Sitzungen immer noch verbessert werden. Diese Feinanpassung kann sich über Wochen und ggf. sogar über Monate erstrecken. Optimierungen der Einstellungen können auch später noch Hörverbesserungen bringen.
Einige smarte Hörgeräte ermöglichen jedoch bereits, Feinanpassungen über eine App beim Hörakustiker anzufordern. Die dafür erforderlichen Daten werden über eine sichere Cloud-Lösung ausgetauscht. Sei es, dass man beruflich sehr eingespannt ist, dass man verreist ist oder nur eingeschränkt mobil – durch diesen neuen Online-Service kann man sich den einen oder anderen Besuch im Fachgeschäft sparen. Auf die fachkundige Unterstützung durch den angestammten Hörakustiker muss man dennoch nicht verzichten.